Ev.-Luth. Kirchgemeinde Böhlitz-Ehrenberg
Ev.-Luth. Kirchgemeinde Böhlitz-Ehrenberg

Andacht zum Sonntag Judika, 29. März 2020

29. März 2020

Liebe Gemeinde,

In unseren Tagen entstehen viele Ängste. Aktuell sind es vor allem die Ängste, die mit der Pandemie zusammenhängen: Werde ich mich infizieren und wie schwer wird die Krankheit bei mir verlaufen? Wird sich jemand aus meiner Familie anstecken? Kaum ein Lebensgebiet wird nicht davon berührt. 

Die Probleme, die der Klimawandel bringt, treten momentan in den Hintergrund. Doch der viel zu warme Winter lässt fürchten, dass die generelle Erwärmung weitergeht. Werden wir und die Natur noch mehr unter der entstehenden Trockenheit zu leiden haben?

Jesus sagte, dass es bevor er wiederkommt viele Schrecken und Ängste geben wird. Im Lukasevangelium ist einiges aufgeschrieben, was geschehen soll. Bei Lukas 21/28 fügte er hinzu: Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Unsere Situation gleicht der, wenn man in ein Tal hinab muss, das dunkel ist, aber man sieht, dass vom Talausgang her ein helles Licht entgegenkommt. Dieses Licht gibt eine Orientierung und eine Hoffnung. Wir wünschen uns, dass uns dieses Licht aus der Dunkelheit herausholt. Dass alles wieder so wird, wie es war. Aber wahrscheinlich wird die Zeit nach der Pandemie nicht so sein wie die Zeit davor. 

Die Erlösung, die im Bibeltext gemeint ist, ist wie eine tiefgreifende, alles umfassende Befreiung. Nicht nur von der Not, in der wir stehen. Für mich reicht sie weiter. Drei Seiten möchte ich hervorheben:

Die erste Seite ist, dass ich dann Gott sehe und erlebe, wer er ist: Der Schöpfer dieser Welt und der Retter, der diese Welt liebt. 

Die zweite Seite ist, dass ich mich erkenne und begreife, wer ich bin: Einer, der sich müht durch den Tag zu kommen und möglichst niemand weh zu tun und ab und zu etwas Spaß zu haben. Andere werden ihr Leben anders beschreiben: heller oder dunkler, enthusiastischer oder niedergeschlagener. Aber das Wichtige ist, dass Jesus kommt. Jesus, der auferstanden ist und dem Leben einen Sinn geben kann. Das befreit, das hilft den Kopf zu heben und von dem wegzusehen, wo ich meine Schwierigkeiten und Probleme habe. Ich kann seine Vergebung annehmen.

Als dritte Seite sehe ich die Menschen in meiner Umgebung, für die ich ein gewisses Maß an Verantwortung habe. Das Licht dieser Erlösung lässt mich auch meinen Nächsten bewusster wahrnehmen. Ihn zu lieben wie mich selbst, heißt gerade jetzt, sich anderen zuzuwenden. Auch wenn die Türen wegen der Regeln zur Infektionsvorsorge verschlossen sind, so gibt es doch viele Möglichkeiten, anderen zu helfen und ihnen nahe zu sein, sei es durch Einkaufen, Schreiben, Anrufen …

Weil sich unsere Erlösung naht, können wir unseren Blick heben. Wir brauchen uns nicht mehr von den Schrecknissen unserer Zeit bedrängen lassen und können die sehen, die unsere Hilfe brauchen. Wir können uns darauf freuen, dass Jesus zu uns kommt. Diese Zusage haben wir. Amen.                                                                                    Matthias Bauer

Unser Gemeindeglied Herr Matthias Bauer hat vor kurzem eine Lektorenausbildung der sächsischen Landeskirche absolviert.

Andacht zum Sonntag Lätare, 22. März 2020

22. März 2020, 2. Sonntag ohne Gottesdienst

Liebe Gemeinde, müssen wir uns an eine neue Zählung gewöhnen? Statt 4. / 5.  Sonntag in der Passionszeit, 2./3. Sonntag ohne Gottesdienst? Zur Stunde weiß niemand, wie lange wir diese Zählung fortführen müssen. Müssen wir? Sind nicht gottesdienstliche Handlungen auf besondere Weise geschützt? Sozusagen Räume, in denen nichts Böses geschehen kann, in denen folglich auch jegliche Ansteckungsgefahr gebannt ist? Diese Meinung gibt es, ausdrücklich will ich aber sagen, dass ich diese Meinung nicht teile. Zugleich kommt ihr das Recht zu, geäußert zu werden. Es steht sogar zu erwarten, dass sich deren Vertreter auf die gleiche Bibelstelle berufen könnten, die ich für meine Sicht heranziehe: „Suchet der Stadt Bestes, …, und betet für sie zum Herrn; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.“ (Jeremia 29,7)

„Suchet der Stadt Bestes, …,“. Der Stadt Bestes dürfte gegenwärtig sein, die Zahl der Infektionen so gering wie möglich zu halten. Diejenigen, die dem Vernehmen nach besonders gefährdet sind, Alte, Kranke, Schwache und all jene, die für unser Wohl und unsere Sicherheit arbeiten, Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, Polizisten, Feuerwehrleute, Bus- und Bahnfahrer, … zu schützen. Aber wie andere und mich selbst schützen vor etwas, das ich nicht sehe oder rieche, nicht schmecke oder fühle? Mit Gottvertrauen. Ohne Zweifel. Gesundes Gottvertrauen hilft, nicht panisch zu werden, beherzt und besonnen zu bleiben. Aber auch der gottgegebene, gesunde Menschenverstand dürfte helfen. Gut wird sein, jenen zu vertrauen, die mehr wissen, als ich. Die Übertragungsketten verstehen und denen ich zutraue, den Ernst der Lage erfasst zu haben. Die letzten Tage waren an Dramatik kaum zu überbieten. Fast stündlich neue Richtlinien und Anweisungen, Restriktionen und Ratschläge, Forderungen und Verbote. Ob zu spät oder übertrieben, das alles steht jetzt nicht zur Debatte. Gleichwohl ist es ungewohnt, stößt auf Unverständnis und Widerstand. Verschwörungstheorien sprießen. Verantwortung und Mitgefühl bleiben auf der Strecke. Der Tanz auf dem Vulkan scheint der ultimative Kick. Werden gebetsmühlenartig wiederholte Appelle daran etwas ändern? Wird es ohne drastischere Einschränkungen und Verbote abgehen? Werden die Menschen einen Sinn dafür entwickeln können, was der Stadt Bestes ist? Viel Zeit bleibt nicht.

„Suchet der Stadt Bestes, …, und betet für sie zum Herrn; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.“ 

Es wird uns wohlgehen, wenn das Gesundheitssystem in unserer Stadt und unserem Land nicht überhitzt. Wenn Ärzte und Pflegende bei aller Anspannung Zeit finden, sich zu erholen; wenn die nötigst Infrastruktur am Laufen bleiben kann. „Suchet der Stadt Bestes,…“. Das Beste ist, die ernste Lage auch ernst zu nehmen. Das Beste ist, den Rat von Sachverständigen zu folgen. Abstand zu halten. Soziale Kontakt zu beschränken. Sollte es tatsächlich nicht helfen, es wird uns nicht schaden. Das Beste ist, nicht in Panik zu verfallen, nicht den Menschen neben mir zu vergessen. Das Beste ist, Verantwortung füreinander zu übernehmen, zu helfen wo es möglich ist, auch aus der Ferne, mit einem freundlichen aufmunternden Wort, einem Lächeln, auch auf die andere Straßenseite, mit einem Einkauf, einer Besorgung. Das Beste ist, Egoismus und Unvernunft, Aggression und das Gefühl, unverletzlich zu sein, beiseite zu lassen. Das Beste ist, für die zu beten, die vor lauter Anspannung und Druck, vor Erschöpfung und Müdigkeit dazu nicht mehr kommen. Das Beste ist, zu beten und im Rahmen des Möglichen zu handeln. Und sollten wir aufgrund der Situation jetzt nicht gemeinsam beten können, Gott hört jedes einzelne Gebet. Ganz gleich, wo es gesprochen wird. Beten wir auch für unseren Gott.

„Suchet der Stadt Bestes, …, und betet für sie zum Herrn; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.“                                                                Pfarrer Reinhard Enders