Ev.-Luth. Kirchgemeinde Böhlitz-Ehrenberg
Ev.-Luth. Kirchgemeinde Böhlitz-Ehrenberg

Aus dem aktuellen Gemeindebrief (10/11 2018):

Reformpläne: 

Kirchenmusik und Gemeindevereinigung

Liebe Gemeindemitglieder,
wie Sie durch die Kirchenvorstände, aber auch die Presse und das Fernsehen wissen, wird mit dem 1.1.2020 die Strukturreform für die Gemeinden der Landeskirche Sachsens inkraft treten. Bereits in den letzten zwei Jahren gab es in den Kirchgemeinden und auf Kirchenbezirksebene immer wieder kontroverse Diskussionen zu diesem Thema.
Durch die Entscheidungen in der Landessynode und der Bezirkssynode müssen die Vorgaben für die Anzahl der zu besetzenden Stellen im Verkündigungsdienst
(Pfarrer/ Gemeindepädagogen/ Kir- chenmusiker) nun umgesetzt werden. Der Strukturausschuss des Kirchenbe-zirkes hat dazu Vorschläge entwickelt, die auch mit schmerzhaften Kürzungen in den einzelnen Stellenanteilen verbunden sein sollen:

Was bedeutet das nun konkret für das Schwesterkirchverhältnis
Gundorf - Böhlitz-Ehrenberg - Leutzsch - Lindenau?

1) Das Schwesterkirchverhältnis gehört zur „Region VII“ im Kirchenbezirk Leipzig und wird eine Gesamtzahl von mehr als 9.200 Gemeindegliedern haben. Zur Region gehören die Kirch-gemeinden Markranstädter Land, Rückmarsdorf-Dölzig, Grünau, Leutzsch, Böhlitz-Ehrenberg, Gundorf sowie Nathanael.

2) In dieser Region wird es zukünftig 4,5 Pfarrstellen geben (statt bisher fünf Pfarrstellen): vier 100-Prozent- und eine 50-Prozent-Stelle. Geplant sind vier hauptamtliche Gemeindepädagogen (jeweils 75-Prozent-Stellen). Bisher gab es vier hauptamtliche Stellen mit unterschiedlichen Arbeitsumfängen und eine nebenamtliche Stelle. Und es soll drei Kirchenmusikerstellen geben: zwei 70-Prozent-Stellen und eine 20-Prozent-Stelle statt bisher einer 75-Prozent-, einer 70-Prozent-, einer 45-Prozent- und einer 20-Pro-zent-Stelle). Am problematischsten wäre dabei die Zuordnung der Kirchenmusikerstellen. Denn die bisher in der Region VII verfügbaren 1,97 Vollzeitstellen sollen auf 1,56 Stellen gekürzt werden. Das entspricht einer Kürzung auf nur noch vier Fünftel der bisherigen Stellenanteile.

Bisher war Leutzsch eine 20-Prozent-Stelle zugeordnet und Lindenau eine 45-Prozent-Stelle. Die jetzt vom Kirchenbezirk vorgelegten Planungen bedeuten, dass eventuell die Anstel-lungsverhältnisse der Leutzscher Kantoren (Herr Schulten/Frau Blanken) wegfallen könnten. Für die betroffenen Kirchenvorstände und Kantoren ist schwer vorstellbar, wie die Kirchenmusik – haupt- und ehrenamtlich – dann weitergeführt werden soll.
Ein weiteres Problem wird die grundsätzliche Struktur unserer Region sein. Für die Zusammenarbeit bzw. das Zusammengehen gibt es vier Modelle: Kirchspiel, Kirchgemeindebund, Vereinigte Kirchgemeinde sowie Schwesterkirchgemeinden. Die Überlegungen in unserer Region zielen darauf hin, als Schwesterkirchgemeinden zusammen zu arbeiten, auch um eine größt-mögliche Selbstständigkeit der Gemeinden zu erhalten. Die Zahl der Kirchgemeinden darf aber sechs „Schwestern“ nicht überschreiten.

Da unsere Region aber aus sieben Gemeinden besteht, müssten sich vorab zwei Gemeinden vereinigen. Betrachtet man die bereits erfolgten Vereinigungen (Markranstädter Land sowie Rückmars-dorf-Dölzig) und die Gemeindegliederzahlen, so kommen für den erforderlichen Zusammenschluss vor allem Böhlitz- Ehrenberg, Leutzsch und Gundorf in Betracht. Alle drei Gemeinden haben ein spezielles und individuelles Gepräge. Wir sind uns bewußt, dass dadurch Gespräche miteinander nicht einfach wären. Aber vielleicht sollten wir bei allen Überlegungen nicht vergessen, darauf zu hören, was Jesus dazu sagen würde: Wenn er davon spricht, dass wir alle zu einem Leib gehören, wo jeder in seiner Unterschiedlichkeit dazu gehört, mit anderen verbunden ist, aber auch andere ergänzen kann, für andere wichtig ist.

Pfrn. Ines Schmidt

Strukturreform - Landessynode 

Einstimmiger Beschluss der Drucksache 135

Die Landessynode hat am gestrigen Samstag Abend folgenden Beschluss zur Struktur gefasst:

Weiterentwicklung der gesetzlichen Grundlagen für die Ausgestaltung der Struktur- und Stellenplanung ab 2020 in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens

Die Landessynode dankt allen, die sich mit Vorschlägen, Eingaben und Diskussionsbeiträgen am bisherigen Entscheidungsfindungsprozess bezüglich der künftigen Kirchgemeindestrukturen und der Entwicklung der Berufsbilder beteiligt haben. Sie würdigt diesen Prozess als wertvoll und hilfreich. Sie erkennt darin eine wichtige Möglichkeit, die Kirchgemeinden, Regionen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Landeskirche in notwendige Veränderungsprozesse einzubeziehen.

Nach Prüfung und Diskussion der vorgeschlagenen Modelle und unter Aufnahme von Vorschlägen aus diesen Modellen und anderen Anregungen sollen bei der Erarbeitung der gesetzlichen Grundlagen für die Struktur- und Stellenplanung ab 2020 die Aspekte von Nähe und Flexibilität sowie ein klarer und vertrauensvoller Blick auf die Herausforderungen der Zukunft leitend sein.

Das Landeskirchenamt wird gebeten, zur Frühjahrstagung 2018 ein weiterentwickeltes Kirchgemeindestrukturgesetz nebst ggf. weiteren erforderlichen Gesetzesanpassungen vorzulegen. Dabei sollen folgende Eckpunkte berücksichtigt werden:

  • Den Kirchgemeinden ist in den künftigen Arbeitsstrukturen die Selbständigkeit zu erhalten, indem sie einen eigenen Kirchenvorstand bilden, der über einen Haushalt der Kirchgemeinde beschließt und die Stellenbesetzung im Verkündigungsdienst für den Bereich der Kirchgemeinde mitentscheidet.

  • Für Kirchgemeinden, die in einem Schwesterkirchverhältnis zusammenarbeiten oder einem solchen beitreten, sind entscheidungsbefugte Strukturen (beschließende Ausschüsse) für den Einsatz der Stellen im Verkündigungsdienst in das Kirchgemeindestrukturgesetz einzuarbeiten sowie die Zuständigkeiten in der Pfarramtsleitung zu klären.

  • Das Ziel, auskömmliche Beschäftigungsverhältnisse in förderlichen Arbeitsstrukturen zu schaffen, ist zu beachten. Bestehende Initiativen und Absprachen für die regionale Zusammenarbeit sollen erhalten bleiben, gestärkt und weiterentwickelt werden.

  • Als zeitlicher Horizont für die Gestaltung der Arbeitsstrukturen der Kirchgemeinden ist anzustreben, dass diese bis ca. 2040 Bestand haben, gegebenenfalls aber in mehreren Schritten umgesetzt werden können.

Quelle: https://engagiert.evlks.de/landeskirche/mehr-zu/landessynode/berichte/sonnabend-18-november-2017/

Der Strukturausschuss des Kirchenbezirkes Leipzig bemerkt dazu im 9. Leipziger Strukturbrief:

In der Sondersitzung der Kirchenbezirkssynode am 20. Oktober 2017 hat der Strukturausschuss darauf hingewiesen, dass die Diskussion um die Modelle der Struktur zwar für die einzelnen Gemeinden von hoher Relevanz sein mag, für die Möglichkeiten der Stellenplanung insgesamt in Leipzig aber andere Weichenstellungen viel entscheidender sind.
Dies sollte über der grundsätzlichen Debatte um Modelle nicht vergessen werden. Deshalb hier noch einmal:

Die Forderungen des Strukturausschuss an die Landessynodalen,

vorgetragen zur Sondersitzung der Kirchenbezirkssynode
am 20. Oktober 2017:

  1. Statistischen Grundlagen hinterfragen

Sämtlich Kürzungen, die in Leipzig anstehen müssen zur Bewährung ausgesetzt werde. Kürzungen sollen, wo sie trotz allem noch nötig erscheinen, zunächst als Z-Stellen bis 2025 realisiert werden. Das würde uns eine Wiederbesetzung vakanter Stellen ermöglichen und die Kürzungen würden sich, falls dann noch erforderlich ist, nur um 6 Jahre verschieben (das müsste ein auch in Zahlen kalkulierbares Risiko sein).
Erinnerung an Eingabe vom Dezember 2016 (Kurve GG Leipzig/ Vgl. Berechnung Landesamt)

  1. Korrektur der Rechenfehler jetzt!

Mit der Eingabe vom März 2017 hat der Strukturausschuss auf ein mathematisches Phänomen hingewiesen, das zum Überhang von Dreigespannen im Jahr 2040 führt, und das durch die Dynamik von Wanderungs- und Wachstumsbewegung in Dresden und Leipzig verursacht wird. Dieser Systemfehler muss jetzt ausgeglichen werden (und nicht erst 2025). Ich habe kein Vertrauen darin, dass wir auch nur eine Stelle wieder zurückbekommen für eine wachsende Stadt, wenn das Land weiter schrumpfen wird. Ich sehe schon jetzt keine Bereitschaft auf unterschiedliche Ausgangslagen unterschiedliche Antworten zu finden. Warum sollte sich das 2025 ändern.

  1. Flexibilisierung der geforderten Gemeindegrößen

Wir fordern eine Flexibilisierung der angestrebten Gemeindegrößen im Bereich von 4000-6000 Gemeindegliedern im Ermessen des Kirchenbezirks. Beurteilungsmaßstab soll die jeweilige Gemeindesituation und die Einschätzung des Strukturausschuss zu Stellenstruktur und Größe sein (auskömmlich und förderliche Stellen).

  1. Gleiches Recht für die ländlichen Strukturen im Kirchenbezirk außerhalb der Stadt Leipzig

Die Zuweisung von Stellenanteilen für die Regionen in Städten unter 40.000 Einwohnern muss auch für die „ländlichen“ Regionen im Kirchenbezirk Leipzigs berücksichtigt. Die abzufedernden Phänomene sind die gleichen, wie auf dem Land (viele Predigtstellen wenig Gemeindeglieder - mit dem Unterschied, dass es sich bei uns ebenfalls um potenzielle Wachstumsbereiche im Speckgürtel handelt, oder um sog. „versteckte Perlen“